Eon verkauft OWL-Tochter: Städte sollen einsteigen
Energiekonzern bietet Regionalgesellschaft an / Wert mehr als 500 Millionen Euro
VON HARTMUT BRAUN
Paderborn/Düsseldorf. Der deutsche Energie-Riese Eon AG will sich von seiner Regionalgesellschaft Eon Westfalen-Weser AG (EWA) trennen. Die Düsseldorfer Konzernspitze bietet das Unternehmen den Städten und Gemeinden des EWA-Netzgebietes zum Kauf – und diesen damit die Chance zur „Rekommunalisierung“.
Gerüchte über Verkaufsabsichten des Konzerns, der in Deutschland kurzfristig 6.000 Arbeitsplätze abbauen will, gibt es schon länger. Genährt werden sie dadurch, dass sich auch Konkurrent RWE gerade von Regionalbeteiligungen trennt.
Offiziell gab es bislang keine Bestätigung dafür. Erst heute soll die Nachricht auf einer Pressekonferenz der Stadt Herford verkündet werden. Gestern informierte Bürgermeister Bruno Wollbrink (SPD) Kollegen in benachbarten Kommunen über die Offerte.
Preise werden nicht genannt. Der Wert des Unternehmens dürfte bei mehr als 500 Millionen Euro liegen. Es hat 1.000 Beschäftigte und machte 2010 630 Millionen Euro Umsatz.
Die Stadt Herford hatte noch bis vor wenigen Tagen mit Eon über die Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft verhandelt. Damit wollte der Konzern in Herford im Stromnetzgeschäft bleiben und Kommunalisierungsabsichten abwehren. Dieses Konzept, das Eon als „Herforder Modell“ auch anderen Städten des Netzgebietes anbot, ist nun vom Tisch.
Jetzt können die Kommunen statt ihrer örtlichen Verteilanlagen gleich das ganze Unternehmen übernehmen. Sie müssen sich allerdings einig sein. Ein Verkauf der Aktien an Dritte ist zunächst nicht möglich.
Das Angebot ist offenbar Teil einer grundlegenden Umstrukturierung im größten deutschen Energiekonzern. Eon will sich auf profitablere Bereiche, vor allem im Ausland, konzentrieren.
Gewinne aus der Stromverteilung werden von der Bundesnetzagentur reguliert und begrenzt. „Die haben den Spaß an der Region Ostwestfalen-Lippe verloren und wollen ihr Engagement hier jetzt noch zu Geld machen“, analysiert ein Kenner der Branche. Eons OWL-Dependance hatte zuletzt im lippischen Raum und im Raum Hameln die Konzession zum Betrieb von Stromnetzen an örtliche Stadtwerke verloren. Weitere Stadträte haben Beschlüsse gefasst, die Stromverteilung selbst zu betreiben. Aus dem einst fast geschlossenen Netzgebiet, das von Salzkotten und Wünnenberg bis vor die Tore Hannovers nach Wunstorf reicht, drohte ein Flickenteppich zu werden.
Eon Westfalen-Weser ist 2001 durch die Verschmelzung der regionalen Energieversorger EMR (Herford), Wesertal (Hameln/Detmold) und Pesag (Paderborn) entstanden. Die Gesellschaft betreibt neben Stromnetzen in Teilgebieten auch Gas- und Wassernetze. Der Stromvertrieb ist an eine Tochtergesellschaft ausgelagert. Eon will ihn bundesweit zentralisieren.
Neben der Eon AG, die 63 Prozent der Anteile hält, sind mehr als 30 Kommunen der Region Gesellschafter. Die Städte Herford und Paderborn, die ihre Beteiligung gebündelt haben, halten rund 21 Prozent.
Reaktionen auf die Eon-Offerte gibt es noch nicht. Zu den offenen Fragen gehört, ob eine rekommunalisierte Eon Westfalen-Weser im jetzigen Zuschnitt erhalten bleibt oder auf die Netzgebiete der drei Vorläuferfirmen zurückgeschnitten wird. ¦ Kommentar, Wirtschaft