Gutachter favorisiert Gesamtschule

© Westfälisches Volksblatt - Ausgabe Delbrück/Hövelhof - 01. Juli 2010

Expertise zu den Bildungseinrichtungen - Dr. Detlef Garbe empfiehlt Auslaufen der Hauptschule

Delbrück (WV / Axel Langer).Noch gibt es im Delbrücker Land drei Hauptschulen, eine Realschule und ein Gymnasium. Das wird sich in den nächsten Jahren jedoch ändern: Gutachter Dr. Detlef Garbe hat den Mitgliedern des Schulausschusses seinen Entwicklungsplan für die Schullandschaft vorgelegt. Unter anderem brachte Garbe dabei die Errichtung einer Gesamtschule zur Sprache.

Eckdaten der Expertise: Bei den Grundschulen sieht Garbe nur geringen Handlungsbedarf. Auch Realschule und Gymnasium sieht der Schulplanungsexperte in ihrem Bestand als sicher an, dafür sind die Probleme bei den Hauptschulen gravierend. Um Konsequenzen daraus wird die Stadt Delbrück nicht herumkommen.
Aufgrund der demographischen Veränderungen werden die Anmeldezahlen für die Hauptschulen sinken. Garbe: »Alle drei Hauptschulen haben für je eine Eingangsklasse zu viele Schüler, aber für zwei Eingangsklassen reichte es bei keiner der drei Hauptschulen aus.« Um die Unterrichtsqualität und die Lehrerversorgung für zwei Hauptschulen zu sichern, empfiehlt Garbe, schon zum Schuljahr 2011/2012 keine Anmeldungen mehr für die Delbrücker Hauptschule anzunehmen und diese auslaufen zu lassen. Nur so könnten zwei Hauptschulen mit je zwei Eingangsklassen zunächst stabil gehalten werden.

Szenarien
In seinem Gutachten hat Dr. Detlef Garbe auch Möglichkeiten einer Verbundschule sowie einer Gesamtschule durchgespielt. Würden Real- und beide Hauptschulen in einer Verbundschule aufgehen, entstünde eine riesige Schule, die mit knapp 1 650 Schülern insgesamt und rund 240 Schülern in der Eingangsklasse, die neunzügig (!) starten würde. Garbe hält eine derart große Schule an möglichwerweise drei Standorten aber für kaum organisierbar.
Als sehr viel besser für die Delbrücker Verhältnisse geeignet sieht der landesweit aktive Gutachter aus Leverkusen eine Gesamtschule. In diese Gesamtschule würden dann die Hauptschulen aufgehen. Auf der Grundlage anderer Gesamtschulen rechnet Garbe mit jeweils 30 Prozent Schülereingang von potentiellen Realschülern und Gymnasiasten. »So kommen wir auf ein Potential von 191 Schülern und einen fünfzügigen Start in der fünften Klasse«, hat Garbe errechnet.
Das Landesschulgesetz sieht für eine Gesamtschule mindestens 112 Schüler in der Eingangsklasse vor. Vorteil einer Gesamtschule, die bis 2020 etwa 1200 Schüler zählen würde, wäre auch, dass Realschule und Gymnasium in ihrem Bestand zu keiner Zeit gefährdet würden.
Weiteres Resümee von Garbe: »Wenn man in einem dreigliedrigen Schulsystem denkt, muss man die Hauptschule Delbrück auslaufen lassen. Denkt man in einem mehrgliedrigen Schulsystem, kann in Delbrück problemlos eine Gesamtschule erreichtet werden, die Realschule und Gymnasium nicht gefährdet, sondern die Raumprobleme ein wenig mindert.« Dabei spricht sich Detlef Garbe für eine Gesamtschule mit Oberstufe aus, da dies den Schülern weitere Aufstiegsmöglichkeiten ermögliche. »Außerdem ist die Oberstufe des Städtischen Gymnasiums so bärenstark, dass sie nicht gefährdet würde«, ist sich der Gutachter sicher.
Für die Schließung der Hauptschule Delbrück spricht seiner Ansicht nach auch der große Raumbedarf des benachbarten Gymnasiums. »Um die Anforderungen des Schulgesetzes und aller Richtlinien umzusetzen, fehlen dem Gymnasium 23 Klassen- und sieben Fachräume«, stellte Garbe fest. Der erhebliche Raumbedarf ergibt sich aus der enormen Übergangsquote von der Real- und Hauptschule in die gymnasiale Oberstufe. »Hier sind in den vergangenen Jahren regelmäßig 50 bis 60 Schüler hinzugekommen. Außerdem rechnen wir in der Oberstufe mit 19,5 Schülern pro Kurs und nicht mit 28 pro Klasse«, hat sich Garbe an einem zukunftsfähigen und qualitativ hohen Schulsystem orientiert. Eine erste Entlastung des Gymnasiums könnten hier Räume der Hauptschule bringen.
Außerdem sieht Garbe Handlungsbedarf in puncto Mensa, die deutlich zu klein sei.

Investitionen
In der Ausschusssitzung wurde klar, dass die Stadt viel Geld für die Gestaltung der Schullandschaft in die Hand nehmen muss - je nach Modell zwischen sechs und 25 Millionen Euro. Würde die Hauptschule Delbrück für das Gymnasium zur Verfügung stehen und eine Gesamtschule mit den Standorten Westenholz und Ostenland errichtet, geht der Schulentwicklungsplaner von Kosten in Höhe von etwa sechs Millionen Euro aus. Würde eine komplett neue Gesamtschule errichtet, kämen Kosten in Höhe von rund 25 Millionen Euro zusammen.
Für die Parteien beginnt nun die Diskussion um die Auswirkungen der Zahlen. Das Gutachterbüro wurde gebeten, seine Modelle für die Schullandschaft mit einem Raumbedarf für die jeweilige Schulform zu hinterlegen. Der Raumbedarf beispielsweise für eine fünfzügige Gesamtschule soll bis Anfang September vorliegen und Ende September im Schulausschuss beraten werden.