US-Konzern sucht Gasvorkommen

© 2012 Neue Westfälische 15 - Paderborn (Kreis), Samstag 28. Januar 2012

Kommunen im Kreis wollen umstrittenes Fracking-Verfahren abwenden / Felder bereits abgesteckt

VON SIGURD GRINGEL

Kreis Paderborn. Das Thema Fracking ist im Kreis Paderborn angekommen. Bis zum 31. März sind mehrere Gemeinden von der Bezirksregierung Arnsberg aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. In einem internen Arbeitstreffen aller Bauamtsleiter und Vertreter der Wasserwerke wird am kommenden Freitag im Paderborner Kreishaus über eine gemeinsame Vorgehensweise beraten. Doch die Felder sind längst abgesteckt.

Mit Hilfe der Fracking-Technik wird nach Gasvorkommen gesucht, die bislang für eine Förderung unrentabel waren. Dabei wird zunächst in die Tiefe gebohrt und anschließend horizontal in das Gestein. Mit den Horizontalschnitten soll das eingeschlossene Gas freigesetzt werden, dazu wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien in das Gestein gepumpt. Über die Art der Chemikalien schweigen die Konzerne. Sie werden benötigt, um die Pumpwege freizuhalten. Umweltschützer betrachten dieses Verfahren mit Sorge, weil sie eine Verunreinigung des Trinkwassers und unkontrollierbare Risse im Gestein vermuten.

„Das ist eine Abfallentsorgung bis hin zu radioaktivem Müll“, warnt auch Altenbekens Bürgermeister Hans Jürgen Wessels. Die Gemeinde Altenbeken ist nur zu einem kleinen Teil betroffen. Die Stellungnahme bezieht sich auf das Explorationsfeld mit dem Namen „Falke-South“ (siehe Grafik). Es erstreckt sich über den Hochsauerlandkreis, den Kreis Soest und reicht in den Südwesten des Kreises Paderborn hinein. Für dieses Gebiet beantragt die US-amerikanische Firma BNK Petroleum eine sogenannte Bergbauberechtigung. „Diese hat in erster Linie die Aufgabe, dem Inhaber eine Rechtsposition zum Schutz vor Konkurrenten einzuräumen“, heißt es in einer Information der Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Genehmigungsbehörde. Für die Bohrungen bedürfe es einer zweiten Erlaubnis, der Betriebsplanzulassung.

2008 durfte die Firma ExxonMobil Erkundungsbohrungen in Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke durchführen und beantragt nun Bohrungen im Münsterland. Die Bezirksregierung prüft den Fall momentan.

So weit ist die Genehmigung im Kreis Paderborn noch nicht fortgeschritten, aber die Felder „Falke“ und „Adler“ hat sich BNK Petroleum schon 2009 gesichert, darüber hinaus Gebiete in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Die Bergbauberechtigung ist auf fünf Jahre befristet kann aber verlängert werden. In Ostwestfalen-Lippe gibt es nur im Kreis Höxter Landstücke ohne eine bereits erteilte Konzession.

Erst im vergangenen Jahr ging die Bezirksregierung wegen des gestiegenen öffentlichen Interesses dazu über, die Gemeinden miteinzubeziehen. „Unsere Stellungnahme wird sicherlich negativ ausfallen“, sagt Altenbekens Bauamtsleiter Ewald Pelizäus. In dem Arbeitstreffen soll ein gemeinsamer Leitfaden erarbeitet werden – die Stellungnahme gibt jede Gemeinde anschließend selbst ab.

Tiefenbohrung in den USA: Zwei bis sieben Hektar Fläche erfordert die Bohrung. Die Fläche wird teilweise rekultiviert. In Deutschland besitzt BNK Petroleum sechs Konzessionen. FOTO: GETTY/AFP